Warum ich heute besser schlafe als früher

Blick aus durch ein geschlossenes Fenster ins Grüne in luftiger Atmosphäre, einer Tasse Tee und einem geschlossenen Buch auf der Fensterbank, sinnbildlich für eine reflektierende Situation darüber warum ich heute besser schlafe als früher.

Eigentlich müsste ich gerade schlechter schlafen. Nach über zwanzig Jahren lasse ich mein Unternehmen los. Ich verabschiede mich von einem sicheren Einkommen. Ich weiß noch nicht genau, wie mein beruflicher Weg aussehen wird.

Es gibt viele offene Fragen. Und trotzdem: Ich schlafe besser als früher. Manchmal wundere ich mich selbst darüber. Denn ich kenne auch eine andere Zeit.

Damals war mein Leben von außen betrachtet deutlich sicherer.

  • Wir hatten ein Eigenheim. Eine Familie.
  • Ein Unternehmen.
  • Es gab Struktur.
  • Pläne.
  • Sicherheit.

Zumindest sah es so aus. Und trotzdem lag ich nachts oft wach. Nicht jede Nacht. Aber oft genug. Mein Kopf hörte einfach nicht auf. Er plante. Überlegte. Suchte nach Lösungen. Ging Gespräche noch einmal durch. Als könnte er verhindern, dass morgen etwas schiefgeht.

Damals hätte ich gesagt: „Ich kann einfach nicht abschalten.“ Heute frage ich mich etwas anderes. Warum ich heute besser schlafe als früher.

Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger glaube ich, dass Schlaf etwas mit der Anzahl unserer Probleme zu tun hat.

Denn davon habe ich heute eher mehr als damals. Ich glaube, Schlaf hat viel damit zu tun, wie wir mit Verantwortung umgehen. Früher hatte ich das Gefühl, ich müsste alles zusammenhalten.

  • Ein Unternehmen.
  • Ein Zuhause.
  • Menschen.
  • Entscheidungen.

Natürlich habe ich mir das nicht jeden Morgen gesagt. Aber mein Alltag fühlte sich oft genau so an. Vielleicht trug mein Körper diese Verantwortung mit. Auch nachts.

Vor ein paar Tagen beobachtete ich etwas Ähnliches bei meinem Mann.

Er steht kurz vor einer wichtigen Prüfung. Er ist gut vorbereitet. Die Testprüfungen besteht er seit Wochen mit sehr guten Ergebnissen. Und trotzdem kreisen seine Gedanken. Nicht, weil er nichts kann. Sondern weil diese Prüfung für etwas Größeres steht. Für unsere gemeinsame Zukunft.

Da wurde mir etwas klar.

Vielleicht kreisen unsere Gedanken gar nicht deshalb, weil wir zu viele Probleme haben. Vielleicht kreisen sie, weil wir etwas Wichtiges beschützen wollen.

Ich glaube, genau das hat mein Kopf früher auch versucht.

Er wollte verhindern, dass etwas schiefgeht. Er wollte vorbereitet sein. Nichts vergessen. Nichts übersehen. Je länger ich nachdachte, desto sicherer fühlte ich mich. Zumindest glaubte ich das. Heute weiß ich: Manche Fragen lassen sich nicht durch längeres Nachdenken beantworten.

Vielleicht ist genau das der Unterschied.

Früher glaubte ich, ich müsse nachts Lösungen finden.

Heute weiß ich, dass manche Antworten erst entstehen, wenn ich den nächsten Schritt gehe. Nicht im Bett. Im Leben.

Das bedeutet nicht, dass ich heute sorgenfrei bin.

Ganz und gar nicht. Natürlich frage ich mich manchmal, wie mein neuer Weg aussehen wird. Natürlich wünsche ich mir Klarheit. Aber ich habe aufgehört zu glauben, dass ich sie um halb drei nachts finden werde.

Vielleicht ist das die größte Veränderung.

Früher bedeutete Sicherheit für mich: Ich brauche einen Plan. Heute bedeutet Sicherheit etwas anderes. Ich vertraue darauf, dass ich mit dem umgehen kann, was kommt. Das Leben hat mir dafür genügend Beweise geschenkt. Nicht, weil immer alles gut ausgegangen wäre.

Sondern weil ich immer einen Weg gefunden habe.

Deshalb frage ich mich heute, wenn ich nachts einmal wach werde, nicht mehr: „Wie bekomme ich diese Gedanken weg?“ Sondern: „Was versucht gerade in mir, Verantwortung zu übernehmen?“ Allein diese Frage verändert etwas. Sie macht aus einem Kampf ein Verstehen.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Vielleicht schläfst du im Moment schlecht. Vielleicht trägst du gerade etwas, das schwer ist. Dann möchte ich dir einen Gedanken dalassen.

Vielleicht hält dich nicht die Zukunft wach. Vielleicht hält dich das Gefühl wach, sie heute Nacht schon lösen zu müssen. Und vielleicht darf dein Körper langsam erfahren, dass nicht alles auf deinen Schultern liegen muss.

Nicht heute Nacht. Nicht allein.

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