Wenn wir nachts wach liegen, glauben wir oft zu wissen, warum.
- „Ich habe im Moment zu viele offene Fragen.“
- „Kein Wunder, dass ich nicht schlafen kann.“
- „Ich bin eben unsicher.“
Das klingt logisch. Und manchmal stimmt es auch. Aber ich frage mich, ob das wirklich die ganze Geschichte ist.
Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, passt diese Erklärung nämlich nicht.
Es gab Zeiten, in denen mein Leben von außen betrachtet sehr sicher war.
- Ein Zuhause.
- Ein funktionierendes Unternehmen.
- Ein geregeltes Einkommen.
- Viele Dinge waren planbar.
Und trotzdem lag ich nachts oft wach. Heute ist vieles offener. Ich habe mein Unternehmen losgelassen. Ich weiß nicht auf jede Frage schon die Antwort. Eigentlich müsste ich heute viel schlechter schlafen. Tue ich aber nicht.
Das hat mich neugierig gemacht
Vielleicht hält uns gar nicht die Unsicherheit wach. Vielleicht ist es etwas anderes.
Ich glaube, wir verwechseln zwei Dinge
Unsicherheit bedeutet: Ich weiß noch nicht, wie etwas ausgehen wird.
Kontrolle bedeutet: Ich glaube, ich müsste das Ergebnis beeinflussen können.
Solange wir glauben, wir müssten jede Entwicklung absichern, bleibt unser Kopf beschäftigt.
- Er sucht.
- Plant.
- Vergleicht.
- Bereitet sich vor.
Nicht, weil er die Zukunft kennt. Sondern weil er verhindern möchte, dass etwas schiefgeht.
Das ist menschlich
Wer Verantwortung übernimmt, möchte gut vorbereitet sein. Doch irgendwann kippt Vorbereitung in Kontrolle. Und genau dort beginnt häufig das nächtliche Grübeln. Nicht weil wir zu wenig wissen. Sondern weil wir glauben, wir müssten schon heute Antworten auf Fragen finden, die das Leben erst morgen stellt.
Mir hilft inzwischen eine andere Sichtweise.
Ich muss die Zukunft nicht kontrollieren. Ich muss ihr nur begegnen können. Das klingt ähnlich. Ist aber etwas völlig anderes.
Wenn ich auf mein Leben schaue, merke ich:
- Ich habe Fehler gemacht.
- Entscheidungen getroffen, die sich später anders entwickelt haben.
- Abschiede erlebt.
- Neuanfänge gewagt.
Und trotzdem ging es weiter. Nicht immer leicht. Aber immer weiter. Vielleicht entsteht Vertrauen genau dort. Nicht weil wir wissen, was kommt. Sondern weil wir erfahren haben, dass wir einen Weg finden.
Deshalb glaube ich heute, dass guter Schlaf nicht bedeutet, keine offenen Fragen mehr zu haben.
Er bedeutet auch nicht, immer ruhig und gelassen zu sein. Vielleicht bedeutet guter Schlaf etwas viel Einfacheres. Zu akzeptieren, dass nicht jede Antwort heute Nacht gefunden werden muss.
Wenn du also das nächste Mal wach liegst, frage dich einmal nicht:
„Warum bin ich so unsicher?“
Sondern vielleicht:
„Versuche ich gerade, etwas zu kontrollieren, das sich heute gar nicht kontrollieren lässt?“
Allein diese Frage kann den Druck verändern. Nicht weil sie das Problem löst. Sondern weil sie dich daran erinnert, dass manche Antworten erst entstehen, wenn das Leben weitergeht.